Aus Quatsch bei einem Gewinnspiel für eine Sportveranstaltung mitmachen? Das hat beim Steelman in Hannover geklappt, also warum nicht nochmal ausprobieren. Der Fahrrad-Bekleidungshersteller ekoi hat auf Facebook aufgerufen, ein Foto von sich mit einem ihrer Produkte zu fotografieren während einer Rennradtour. Also schnell ein Foto rausgesucht und hingeschickt, dabei noch herzlich gelacht. Am nächsten morgen dann eine Antwort, “Herzlichen Glückwunsch, du bist dabei!”. Ich war überrascht und habe erstmal gucken müssen, was genau ich nun überhaupt gewonnen habe, so genau hatte ich es mir im Vorfeld gar nicht durchgelesen. (An dieser Stelle nochmal danke an ekoi) Bereits am darauffolgenden Wochenende soll es also zum Skoda Velodom nach Köln gehen. Ein Rennradrennen mitten in Köln, knapp 4000 Starter, darunter in der Profi-Klasse auch Weltstars wie Marcel Kittel. Ich werde beim Jedermann-Rennen über die “kleine” Distanz von 68,5 km starten, dabei sind ca. 500 Höhenmeter zu überwinden, so etwas findet man hier in Ostfriesland eher nicht, ich habe noch nie Anstiege gefahren, ausgenommen dem Training beim Spinning oder Autobahnüberführungen mit dem Rennrad. 4 Tage Zeit für die Planung, schnell ein Hotel buchen, einen Mitfahrer für die Autofahrt und Vorort organisieren, das Rad einmal durchchecken lassen und dann ordentlich rausputzen. Dann kann es eigentlich auch schon losgehen.

Samstagmorgen ging es los, erstmal frühstücken, dann auf die Autobahn und 330km geradeaus. Gegen Mittag waren wir dann im Hotel, Auto in die Parkgarage und dann ab mit der U-Bahn in die Stadt, schließlich gibt es in Köln ja auch so einiges zu entdecken. Natürlich ging es dann auch schonmal zum Rheinauhafen, wo am Sonntag der Start sein sollte. Einmal gucken und die Lage peilen. Dann ein etwas zu Essen besorgen und ab ins Hotel. Es war warm … sehr warm. Bis 2 Uhr war nicht ans schlafen zu denken, dann fing es an zu regnen und es kühlte ab. Freude und Sorge zugleich, man konnte schlafen, aber die Frage war, ob es am nächsten morgen wieder trocken wäre. Morgens um 6 klingelte der Wecker, aufstehen, umziehen und in der Parkgarage das Rad aufbauen, dann alle Taschen ins Auto und aus dem Hotel auschecken. Dann ging es los, im vollen Dress mit dem Rad in die Bahn in Richtung Innenstadt, erstmal frühstücken. Danach mit der Bahn weiter zum Rheinauhafen. In der ganzen Stadt sah man mittlerweile überall Menschen mit Rennrädern. Jetzt noch schnell die Startunterlagen abholen, Helm und Trikot mit Startnummern bestücken und warten bis die Startboxen öffnen. Bedingt durch die Nachmeldung hieß es bei mit Startgruppe F, also ganz hinten. War aber halb so wild, schließlich konnte ich eh nicht abschätzen, wie es mit mit den Anstiegen auf der Strecke ergehen würde. 25km/h waren als Durchschnitt vorgegeben um im Rennen zu bleiben, 28 hatte ich mir als Ziel gesetzt, das wäre eine Gesamtzeit von 2h20min gewesen auf 68,5km.

Dann ging es los, Startgruppe A, Gruppe B, C … und dann F, wir rollten allesamt langsam zum Start, ein Signalton und los ging es. Recht schnell preschten die meisten los, 35-40km/h, in den ersten Tunnel, auf die erste brücke, durch die ersten Kurven. Es war eng, aber es ging bei uns alles gut. Nach den ersten 10km lockerte sich das Feld, ich habe mich einfach mitziehen lassen vom Feld, habe mich aber nicht in Richtung Belastungsgrenze bewegt. Also habe ich mich Gruppe für Gruppe weiter nach vorne gefahren, immer mal kurz im Windschatten als kurze Paus, dann weiter. Der erste Anstieg war eine Nummer für sich, ich bin Ostfriese, so etwas kenne ich nur aus Geschichten. Mit knapp 11-12 km/h ging es nach oben, überall Menschen die schwer atmeten. Ich war froh, dass ich eine dreifach Schaltung hatte, und somit für genau soetwas noch ein paar Gänge mehr hatte. Oben angekommen ging es auch wieder runter, klein machen auf dem Rad und erstmal Rollen lassen, schon standen die 60 km/h auf dem Tacho. Dann hat man sich wieder in Gruppen eingefunden und sein Tempo gefahren. Der zweite Anstieg war nochmal eine Nummer steiler, mehr als 9km/h waren nicht drin, das letzte Stück war dann auch noch Kopfsteinpflaster. Dann wieder bergab, diesmal zu zweit im Windschatten, wir haben beide gut reingetreten sodass es bis auf 66,6 km/h ging, auf der linken Spur an allen vorbei, die Straße gab es her, also warum nicht.

Die letzten 10km wollte ich Gas geben, ab 20km vor Ende waren es kaum noch Höhenmeter zu bewältigen, ich wurde von einer Gruppe aus 8-10 Leuten überholt und hängte mich ein, meistens standen hier die 40 auf dem Tacho, wir haben auf der linken Spur etliche Gruppe überholt, das Schnitt war genial, es lief einfach super, ich fühlte mich wohl auf dem Rad, also bin ich bi sfast zum Ende dran geblieben. Dann fiel die Gruppe auseinander und ich habe das Tempo alleine durchgezogen. Über die letzte Brücke, durch die letzte Kurve und dann auf die Zielgeraden. Erleichterung im Zielbogen, es ist geschafft.

Im Ziel habe ich dann zwei Leute getroffen, mit denen ich mich bereits am Start unterhalten habe. Erst nachdem er sagt, dass er unter 2 Stunden gefahren ist guckte ich auf meine Uhr. Ich auch! 1h59min49sek, das bedeutet einen Durchschnitt von 42,3 km/h. Damit habe ich wirklich nicht gerechnet, über 20 min schneller, als ich mir vorgenommen hatte. Das fahren in so großen Gruppen, die daraus entstehenden Windschatten und die vielen langen Abfahrten und einfach das Flair einer solchen Veranstaltung habe größtenteils dazu beigetragen.

Ein Wochenende welches man so schnell nicht vergisst, mein erstes Radrennen und dann auch noch gleich in einer Stadt wie Köln, unbeschreiblich. Ich bin mehr als zufrieden mit meiner Zeit, muss aber zugeben, dass es noch Luft nach oben gegeben hätte. Nur konnte ich das im voraus nicht abschätzen.

Ob noch weitere Radrennen folgen werden? Bestimmt nicht allzu regelmäßig, aber hier und da auf jedenfall mal.

Fotos: Sportograf